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Am 6.Oktober vor fünf
Jahren wurde in meinem Leben eine Weiche gestellt, die unseren Lebensweg
derart massiv veränderte, wie ich es mir niemals hätte vorstellen
können.
06.10.1998:
09.30 : David wird wach, kann mich nicht richtig anschauen
12.00 : David kann mich nicht fixieren mit den Augen ( Augenentzündung?
Schielen?)
16.30 : Termin beim Kinderarzt : Hydrozephalus, ins Kantons-Spital zur
Überwachung, Hirndruck
18.00 : Kantonsspital, David beginnt zu erbrechen, allein in einem Zimmer
gelassen
19.00 : Ärzte kommen, Schulterzucken, Überweisung ans Kinderspital
Zürich
20.00 : Kinderspital Zürich : Anamnese, Ultraschall, Computertomographie
mit Kontrastmittel, erste Gedanken, es ist ernster als gedacht.
22.30 : Diagnose Hirntumor beim Stammhirn, in den nächsten 72 Stunden
wird operiert
07.10.1998:
Kernspintomographie - unklar, ob der Tumor vom Stammhirm ausgeht, kann
erst bei der OP gesagt werden. OP-Termin am Freitag.
Abends : Implantation einer Liquor-Drainage, David ist apathisch und schläfrig
und kann nichts bei sich behalten
08.10.1998 :
Verschiedene Abklärungen und Gespräche mit dem Thema Hirntumor
- bösartig? gutartig? man kann nichts sagen.
09.10.1998 :
Die grosse OP findet statt.
David wird sitzend operiert, ein Stück Schädeldach herausgebohrt
und von dorther an den Tumor gegangen, mit Kameras und grossen Bildschirmen.
Ich bekomme Dinge zu wissen, die ich gar nie wissen wollte.
Die OP dauert 8 Stunden, wir gehen heim Kühlschrankputzen und telefonieren.
Nachmittags auf die Intensivstation : David ist sediert und beatmet. Die
Intensivstation überwältigt uns und erstmals bekommen wir einen
Vorgeschmack von grosser Panik.
10.10.1998 :
Intensivstation
11.10.1998 :
Intensivstation, extubiert, kann alleine zuwenig atmen, wieder intubiert.
Wir haben Angst, dass es eine Hirnschädigung ist, auch wenn uns die
Ärzte beruhigen, die OP sei gut verlaufen.
12.10. - 15.10.1998
:
Warten auf der Intensivstation, bis ein neuer Versuch gemacht werden kann,
ihn von der Beatmung zu nehmen.
Warten. Warten. Warten.
David ist noch immer sediert.
16.10.1998:
Der Histologiebefund wird uns mitgeteilt :
Pineoblastom, WHO IV, sehr bösartig und selten.
Chemo ein Muss, Chance mit Chemo 20-40%, ohne Chemo 0-10% Überleben,
der Tumor kommt in wenigen Monaten zurück..
Es gibt keine Wahl.
17.10.1998:
Extubation erfolgreich
18.10.1998:
Auf die Onkologie verlegt, nach einer Woche angefüllt mit Untersuchungen
wird der Port gelegt und die Chemo beginnt, die während eines Jahres
unser ganzes Leben diktiert.
Von einem Moment auf den anderen war die Unbeschwertheit und die Leichtigkeit
weg, die Naivität gegenüber dem Leben und dem Schicksal.
Vieles war uns da noch nicht bewusst, was auf uns alles zukommt, wir hatten
auch gar keine Zeit, nach dem Warum oder nach der Zukunft zu schauen.
Das Jetzt war so anspruchvoll geworden und nahm uns alle Energie, die
wir aufbringen konnten.
Ja, wir haben es überstanden,
auch all das, was nachher kam.
Aber wenn sich dieser
Tag jährt - ja, dann wünsche ich manchmal ein bisschen von dieser
unbeschwerten Lebensfreude zurück.
Diesem *es wird alles schon gut*-Gefühl.
Auch wenn ich heute wieder lebenslustig sein kann, unbeschwert und wirklich
frei kann ich wohl nie wieder sein.
Wie oft habe ich mir in den letzten Monaten und Jahren gewünscht,
das Rad der Zeit zurückzudrehen, nur für einige Tage, einfach
mal wieder unbeschwert sein.
Ich weiss, das geht nicht. Aber wünschen darf man sich das.
Besonders an Jahrestagen.
Und dieser ist für mich mindestens so wichtig wie Davids Geburtstag.
Weil von diesem Tag an nichts mehr war, wie es einmal war und auch nie
mehr so werden wird, wie es vorher war.
Niemals.
Das zu begreifen und
zu akzeptieren, kostet mich auch noch heute, nach 5 langen Jahren, immer
wieder viel Kraft, denn ich will es nicht begreifen müssen.
In meinem Herzen ist es da, dieses Wehmutsgefühl, weil ich etwas
verloren habe... nicht nur mein Kind.
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